Angehöriger einer BSD operierten Frau

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

Hier haben Sie als Betroffene(r) und/oder ratsuchende(r) Besucher(in) dieser Plattform die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen oder Hilfestellung zu geben.
Antworten
pharaoeric
Beiträge: 2
Registriert: 4. Juni 2017, 20:40

Angehöriger einer BSD operierten Frau

Beitrag von pharaoeric » 5. Juni 2017, 04:03

Hallo Alle,
ich bin erstmalig in einem Forum.
Mein Name ist Sven, bin 49 Jahre. Meine Frau wurde vor 2,5 Jahren an der BSD operiert. Diagnose: kalzifizierende, chronische Pankreatitis. Es begann vor 5 Jahren mit dauerhaften Schmerzen im Bauch und Rücken. Nach vielen unterschiedlichen Untersuchungen und Behandlungen auf Bandscheibenvorfälle und ähnlichem kam endlich ein Arzt auf die Idee mal Ultraschall vom Bauch zu machen und siehe da, die dazugehörige Blutuntersuchung bestätigte eine chronische Pankreatitis. Es hatte sich ein Gallenstein in den Ausgang der BSd gesetzt, diese verstopft und so die Entzündung verursacht. Nun war das Organ dabei sich selbst zu verdauen. es wurde eine ERCP gemacht und versucht den Eingang zum Darm mit einem Draht zu öffnen. Was nur kurz Erfolg hatte. In den folgenden 14 Monaten unter BTM`s folgten 14 weitere ERCP`s. es wurden Stands gesetzt und entfernt, es wurde eine Erweiterung zum Darm geschnitten. Aber letztlich war erkennbar, es hilft nur die Operation. Nach mehreren Gesprächen und vielen Diskussionen Zuhause haben wir eingewilligt. Die Operation dauerte 12 Stunden, es wurde die Galle entfernt, der Kopf der BSD, ein Teil des Zwölffingerdarms und des Dünndarms. Ein kleiner Teil der Leber war auch bereits chronisch entzündet und wurde entfernt. Zusätzlich wurde aus einem Dünndarmstück eine Schlaufe auf die BSD, oder den Rest, genäht. 14 Stunden später wurde festgestellt das sich der Bauchraum meiner Frau mit Gallenflüssigkeit füllte, was eine Not Op notwendig machte. Ein Gallengang in der Leber war gerissen. Diese dauerte erneut 10 Stunden. Drei Tage später kam es zu Wundheilungsstörungen und Vereiterungen an der Bauchnaht. In den 8 Wochen Klinikaufenthalt und den Monaten davor verlor meine Frau gut 20 kg Gewicht. Zu allem Überfluss, ich erwähnen das meine Frau hochgradig allergisch auf Novalgin reagiert, verwechselte eine Stationsschwester die Medikamente und es kam wie es kommen musste, meine Frau bekam Novalgin verabreicht. Es folgte ein anaphylaktischer Schock dritten Grades. All diese Dinge und der fürchterliche Zustand meiner Frau raubte auch mir jegliche Kraft und jeden Mut weiter zu machen. In der siebten Woche des Krankenhausaufenthaltes hatte meine geliebte Frau jeden Lebensmut verloren und mich gebeten sie zu töten. Sie bat mich um Sterbehilfe. Ich brauchte 2 Tage um diesen Gedanken an mich heran zu lassen. Nach Stunden voller Verzweiflung und Tränen meinerseits und den totkranken Anblick meiner Frau habe ich indirekt zugestimmt und ihr Novalgin mitgebracht. Ich sagte Ihr: ich liebe dich, ich brauche dich, ich will dich nicht verlieren. Ich lasse dich aber auch los. Wenn man einen Menschen so sehr liebt wie ich dich, dann muss man auch loslassen können. Unter Tränen gab sie mir das Medikament zurück und bat mich: hilf mir aufzustehen. Sie hat es geschafft, wir haben es geschafft uns zu stützen und gegenseitig zu halten. Es folgten etwa 2 Jahre die halbwegs gut verlaufen sind. Wir haben es geschafft, das meine Frau wieder essen konnte, sie kommt mit Kreon weitgehend zurecht, und zugenommen hat. Seit nun einem halben Jahr geht es aber wieder stetig bergab mit ihr. Alle 14 tage bis 3 Wochen hat sie irgendeine Infektion. Kehlkopfentzündungen, Speicheldrüsenentzündungen, Durchfälle, Erbrechen, Erkältungen usw. Alle Antibiotika verträgt sie nicht. Ihre Blutzuckerwerte steigen unaufhörlich. Die Tabletten dagegen verträgt sie nicht. Sie verhungert mir ohne das irgendwer ihr noch helfen kann. Gestern hatte sie ihren erneuten Tiefpunkt als Sie mir sagte, ich kann und will nicht mehr. Ich gebe auf, ich schaffe es nicht mehr zu kämpfen. Sie stirbt mir weg und ich bin nur noch hilflos. Sie hat eine Patientenverfügung, nicht wiederbelebt zu werden. Habt ihr einen Rat? Meine Kräfte sind inzwischen auch so sehr verbraucht. Ich habe keine Ideen mehr sie zu motivieren. Ich bin inzwischen sprachlos. Aber ich kann sie nicht noch einmal los lassen.

veritas
Beiträge: 120
Registriert: 29. Juli 2016, 09:58

Re: Angehöriger einer BSD operierten Frau

Beitrag von veritas » 5. Juni 2017, 09:37

Ich glaube, ich kann dir nur bedingt helfen - ich habe allerdings auch kalzifizierende chronische Pankreatitis und bin aber nicht operiert worden. Ich habe aber auch genau die gleiche Phase hinter mir mit unendlich vielen ERCPs, Stents und Papillotomien.
Damals war ich ein Teenager und ich hab auch meinen Lebensmut verloren, bin komplett abgemagert und hab nach einem Eingriff einen vernebelten Selbstmordversuch gehabt, weil ich so nicht weiterleben wollte.

Ich hab immer wieder Phasen in den letzten fast 20 Jahren gehabt, in denen ich verzweifelt bin - ich hatte auch so eine Phase in der ich Infektion nach Infektion hatte und das etwa ein 3/4 Jahr. Meine Zähne waren allesamt entzündet, ich hatte einen fiesen Husten, immer wieder Gastritis und und und. Zuerst hab ich Unmengen an Tabletten genommen und mich elend gefühlt, dann ging es mir aber irgendwann so auf die Nerven, dass ich angefangen habe diesen ganzen Scheiss zu ignorieren. Ich hab die notwendigsten Medikamente genommen, bin sehr viel zum Zahnarzt gegangen und ansonsten nur absolutes Wohlfühlprogramm, wo mich mein damaliger Freund sehr unterstützt hat.

Versuch, dass sie dad Kranksein vergisst und sich wieder wie ein vollwertiger Mensch fühlt. Nach jedem Krankenhausaufenthalt, wo ich am liebsten sterben würde und die Nächte durchweine muss wieder ein Punkt der Lebensfreude kommen. Schönheitsprogramme haben mir da immer total gut geholfen, superfeine Cremes, Massagen, mal wieder die Fingernägel lackieren. Lustige Bücher lesen, kleine Reisen machen (und wenn man dann auch nur eine halbe Stunde spaziert und sonst nur liegt), Tage schaffen auf die sie sich freuen kann, etc.

Es gibt auch Therapeuten die auf solche Krankheiten spezialisiert sind und die einem bei der Akzeptanz helfen können.

Zumindest bei mir ist es halt wirklich so, dass die Psyche einiges verbessern oder verschlimmern kann und das ist auch der Punkt wo du ihr am meisten helfen kannst.

Benutzeravatar
Cerberus
Beiträge: 471
Registriert: 28. Juli 2016, 08:04

Re: Angehöriger einer BSD operierten Frau

Beitrag von Cerberus » 5. Juni 2017, 10:33

Ihre Blutzuckerwerte steigen unaufhörlich. Die Tabletten dagegen verträgt sie nicht.
Was speziell nimmt sie denn da? Wohl Metformin, oder?

Der BZ-Wert muß natürlich unbedingt runter. Vielleicht kann/sollte man mit Insulin arbeiten?

Betreuung durch eine gute Diabetologie wäre auf jeden Fall hilfreich.
Aus einem verzagten Arsch kommt nie ein fröhlicher Furz. (Martin Luther) :mrgreen:

Andi
Beiträge: 222
Registriert: 15. Februar 2011, 20:42

Re: Angehöriger einer BSD operierten Frau

Beitrag von Andi » 5. Juni 2017, 20:29

Hallo Sven,
Ihr beide habt und macht eine schwere Zeit durch,wir kommen oft an unsere Grenzen und wissen nicht wie es weiter geht.
Ich glaube du gibst wirklich dein bestes und es ist gut das Du für deine Frau da sein kannst, oft fühlen sich Angehörige hilflos und müssen das Leiden mit ansehen.
Versuche deiner Frau schöne Momente zu bereiten aus denen sie Kraft schöpfen kann und was ihr Freude bereitet. Ich nehme mir oft bewusst solche Zeiten, weil ich davon etwas zehren kann, wenn es schlecht läuft.
Ich gehe auch regelmäßig zur Psychologin, da kann ich mich entlasten, vielleicht würde euch beiden das auch helfen .
Aus meinem Glauben an Gott kann ich Kraft schöpfen und alles hinbringen was mich bewegt, hier finde ich Ruhe.
Seit ihr medizinisch in guten Händen?
Bitte gebt nicht auf, auch wenn es im Moment nicht gut läuft, es kommen bestimmt wieder bessere Zeiten, ich wünsche es euch beiden so sehr.
Ich schätze es sehr, das meine Frau zu mir steht, egal wie es mir geht, das ist alles unbezahlbar und ich möchte es nicht missen.
Ich wünsche euch viel Kraft und Gute Besserung

Liebe Grüße Andi

pharaoeric
Beiträge: 2
Registriert: 4. Juni 2017, 20:40

Re: Angehöriger einer BSD operierten Frau

Beitrag von pharaoeric » 6. Juni 2017, 10:35

Ich danke für die netten und gut gemeinten Ratschläge. Ich gebe mein Bestes und versuche alles. Es reicht nur nicht. Meine Frau hat sich inzwischen aufgegeben und auch den Kampf gegen die Krankheit. Es gibt nichts mehr was ich noch sagen und tun kann. Sie will nur noch liegen und schlafen. Und sterben....

Benutzeravatar
Cerberus
Beiträge: 471
Registriert: 28. Juli 2016, 08:04

Re: Angehöriger einer BSD operierten Frau

Beitrag von Cerberus » 6. Juni 2017, 11:28

Wenn ich was wüßte....... oder medizinisch helfen könnte......... :(
Aus einem verzagten Arsch kommt nie ein fröhlicher Furz. (Martin Luther) :mrgreen:

veritas
Beiträge: 120
Registriert: 29. Juli 2016, 09:58

Re: Angehöriger einer BSD operierten Frau

Beitrag von veritas » 6. Juni 2017, 12:38

Aber irgendwo muss sie ja doch noch einen Lebenswillen oder eine Hoffnung auf Besserung haben, wenn sie noch nicht den letzten Schritt begangen hat - wenn ich das mal so formulieren darf.
Was macht sie denn wirklich den ganzen Tag? Ist sie immer nur im Bett? Wie oft versuchst du, etwas mit ihr zu machen? Geht sie noch zu irgendwelchen Ärzten?

Wie schätzt du denn selber ihre medizinische Situation ein? Es klingt für mich mehr so, als wäre sie gar nicht so krank, sondern als hätte sie sich selbst aufgegeben bzw. als hätte sie Depressionen. Und in solchen Fällen helfen psychiatrische Stationen. Entzündungen und Depressionen haben oft starke Wechselwirkungen.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste