Mein Papa hat es nicht geschafft

an der Bauchspeicheldrüse erkrankten Menschen. Was bedeutet eine Pankreas- / Bauchspeicheldrüsenerkrankung für das Umfeld der Patienten?
Hier können sich Angehörige und Freunde von Pankreas- / Bauchspeicheldrüsenpatienten austauschen
und haben die Möglichkeit über andere Angehörige / Freunde Rat und Hilfe zu finden.
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Drea
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Mein Papa hat es nicht geschafft

Beitrag von Drea » 25. August 2015, 08:14

Ich kann es immer noch nicht glauben und doch ist es wahr: Papa ist tot. Er hat diese scheiss Krankheit nicht überlebt. Er hat nicht einmal eine Chance bekommen zu kämpfen.

Vier Wochen (!!!) nach der Diagnose tot! Einfach tot!! Es tut so weh. Wir können es einfach nicht glauben. Am 20.08. war die Beerdigung gewesen.

Wir waren echt guter Hoffnung. Auch Papa war positiv eingestellt. Er war seit dem 17.7. im EVK Düsseldorf. Erst auf der Inneren, wo sie alle weitere Untersuchungen gemacht haben (die Diagnose bekamen wir am 08.07. im Helios KH in Krefeld). Dann kam der Besprechungstermin wegen der Chemo und ja, die Diagnose war beschissen und der Tumormarker sehr hoch. Bauchspeicheldrüsenkrebs im Schwanz des Pankreas, Streuung in Leber. Papa sollte am 31.7. entlassen werden und am 04.08. seine erste Chemo bekommen. Doch seine Leberwerte verschlechterten sich und so entschieden sich die Ärzte direkt ihn auf die Onkologie zu verlegen und er bekam seine erste Chemo am 31.7. Danach sind wir eine Runde um das KH gegangen. Papa ging es so eigentlich gut. Am Samstag war er schlapp und geschafft. Klar. Chemo zeigte ein wenig ihre Wirkung. Am Sonntag sind wir ins KH und er hat Blut verloren über den Stuhl. Viel Blut und ihm ging es gar nicht gut. Die Schwester sagte uns, dass er Blut im Stuhl hatte seit vier Tagen, er ihr das aber erst am Sonntag gesagt hat. Er dachte, dass kommt von den Tabletten.
Sie versuchten dann seinen Blutgerinnungswert nach oben zu bekommen. Denn der war völlig im Keller. Er bekam frisches Blutplasma. Am Montag war meine Mama recht früh im KH. Papa wurde zu einer Untersuchung gebracht. Dann folgte der Anruf aus dem KH von den Ärzten bei mir und meiner Schwester: können Sie bitte zeitnah ins KH kommen? Ihr Vater blutet aus der Leber.
Wir sind sofort ins KH. Dort haben die Ärzte zuerst mit uns geredet und dann mit unserer Mama. Papa war zur Endoskopie. Sie wollten wissen, warum sie den Gerinnungswert nicht hoch bekommen und haben nachgeschaut. Und haben dann gesehen das es aus der Leber blutet. In den Gallengang hinein. Und sie können nichts mehr machen. Klar können sie immer wieder was geben. Aber es wird keinen Sinn machen. Die Leber ist zu schwer geschädigt. Sie sagten uns dann, dass der andere Mann in dem Zimmer entlassen wird und sie das Zimmer für uns sperren würden. Wir dürften Tag und Nacht bei Papa sein. Hat uns die Diagnose schon den Boden unter den Füßen weg gezogen, so erst Recht diese Diagnose, die bedeutete, dass Papa urplötzlich im Sterben liegt.
Am Montagnachmittag sagte dann Papa: hier stimmt was nicht. Man sagt mir was nicht und ich sagte zu ihm: was möchtest du wissen Papa? Ich hielt seine Hand und er schaute mich an und er sagte: wie ernst ist es? In meinem Gesicht konnte er die Antwort schon ablesen, denn mir schossen die Tränen in die Augen.... Papa, sehr ernst... Er nickte nur: ich ahnte es...
Am Dienstag bin ich zum Arzt gegangen und habe mich krankschreiben lassen. Wir waren dann bis zu Papas Tod bei ihm. Tag und Nacht. Nur mal kurz nach Hause zum waschen. Am Donnerstagmorgen sollte ich eigentlich mich zu Hause zwei, drei Stunden hinlegen. Aber die Nachtschwester bat meine Schwester mich anzurufen und zurück zu holen. Es würde nicht mehr lange dauern. Ich bin sofort los. Die ganze Zeit hatte Papa keine Schmerzen, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kamen sie erst und er bekam eine Morphiumspritze. Später noch eine und dann bekam er den Perfusor. Er war aber immer noch am jammern, dass es ihm weh tat und so baten wir um Erhöhung. Die Schwester erhöhte auch etwas. Und dann dauerte es nur noch eine halbe Stunde.... wir haben Papa noch etwas zu trinken gegeben und dann bemerkten wir es: die Augen waren komplett gelb geworden, Leber hat ihren Dienst eingestellt und wir hörten es: es röchelte leise, Wasser in den Lungen. Wir haben uns dann von Papa verabschiedet, auch immer eine Hand auf die Brust von Papa. Es wurde immer schwächer das Herz. Ich habe Papa dann geküsst und ihn gestreichelt, ihm ins Ohr geflüstert wie sehr ich ihn liebe und er der allerbeste Papa der Welt ist. Da tat er seinen letzten Atemzug und das Herz hörte auf zu schlagen. Papa hat den Kampf gegen diesen verdammten Bauchspeicheldrüsenkrebs verloren und er hatte nicht einmal die Chance überhaupt dagegen anzukämpfen. Das tut so weh. Das ist so ungerecht. Das ist so unglaublich.....
Natürlich sind wir froh, dass Papa nicht leiden musste und/oder lange leisen musste. Aber ein wirklicher Trost ist es trotzdem nicht.
Die Ärzte und die Schwestern und Pfleger im EVK, auf der Onkologie/Palliativstation sind wahre Engel. Sie waren in diesen vier Tagen so lieb zu uns. Sie hatten, trotz ihrer sehr schweren Arbeit, immer ein Lächeln auf den Lippen. Egal ob man sich tagsüber auf dem Gang begegnet ist oder mitten in der Nacht. Sie machen dort mit soviel Liebe und Herzblut ihre Arbeit. Ein dickes Danke schön gilt ihnen. Haben wir Ihnen auch gesagt.

Und nun beginnt das Leben ohne Papa. Papa durfte nur 77 Jahre alt werden. Ja ja, ich weiß, manche sterben viel früher und ich weiß, wie tragisch das alles ist. Aber es kam alles viel zu schnell.
Es ist eine so schreckliche Krankheit....
Mein Papa 01.06.38 - 06.08.15
Diagnose erfahren 08.07.15
Gestorben am 06.08.15

Amarandel
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Registriert: 23. August 2015, 09:28

Re: Mein Papa hat es nicht geschafft

Beitrag von Amarandel » 25. August 2015, 11:36

Oh Gott... es ist nie einfach jemanden zu verlieren.... aber noch viel schwerer, jemanden wegen so etwas zu verlieren...

Mein herzlichstes Beileid. Nichts auf dieser Welt wird euch über diesen Verlust hinweg trösten können, der Schmerz wird mit der Zeit nur "weniger" werden... Fühl dich dennoch gedrückt. Ich denke an euch und schicke euch alle Kraft, die ich erübrigen kann *drück*
Notorisches Steh-Auf-Männchen - auch wenn etwas erstmal umhaut, man richtet sich irgendwann IMMER wieder auf.

Manu1966
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Re: Mein Papa hat es nicht geschafft

Beitrag von Manu1966 » 25. August 2015, 20:52

Liebe Drea,

mir laufen gerade die Tränen übers Gesicht. Ich kann Dir das so gut nachfühlen... Mein allerherzlichstes Beileid, alles andere spare ich uns, es gibt keinen wirklichen Trost...

Mein Mann ist grad mal 50 Jahre alt, und ich weiß, dass uns dasselbe passieren wird, wenn nicht ein Wunder geschieht. Wir spielen - realistisch betrachtet - nur auf Zeit. BSPD-Krebs ist grausam....

Ich weiß nicht, was ich Dir sagen oder wünschen soll, wie ich Dich trösten könnte, das ist gar nicht möglich. Aber ich leide mit Dir, aus tiefstem Herzen, und ich kann bis in meine Nervenenden nachvollziehen, was Du mitgemacht hast und wie es Dir geht.

Wenn Du magst - melde Dich bei mir.

Ich wünsche Dir alle Kraft, die Du für die nächste Zeit brauchst.

Herzliche und ganz liebe Grüße,
Manu
Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens.

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