Joker hat geschrieben: ↑6. September 2025, 12:58
Danke Tardis für den ausführlichen Bericht! Ich starte nächste Woche mit einem Probesensor von Dexcom G7. Werde berichten! Werde dann beide tragen, schauen wir mal, ob ich mich die "Pest oder Cholera" entscheide. Wow!
Recht hast Du sicherlich mit dem Marketing BlaBla. Das geht schon bei einer Reklamation im Call Center los.
Es ist für alle Beteiligten ein Riesen Business, da liefert man schon, ohne das Produkt wirklich serienreif zu haben. Der Betroffene, also wir, greifen ja sofort zu!
Wenn möglich, kannst du mir vielleicht in Zukunft deine Erfahrungen mit der Insulinpumpe mitteilen. Interessiert mich sehr, ich bin jetzt seit vier Jahren Diabetes 3 und suche natürlich nach den Dingen, die das Leben erleichtern. Liebe Grüsse
Hallo Joker,
so, nun habe ich die YpsoPump seit ca. 6 Wochen "um den Hals".
Mein bisheriges Fazit: Passt! Noch nicht perfekt aber wesentlich entspannter als das ewige Selbstspritzen.
Die YpsoPump "lernt" Dein Verhalten und passt sich stetig daran an. Mein Umstieg war denklich ungünstig: Kurz nach der Chemo und dann kam Weihnachten. D.h. ich hatte keinen geregelten Tagesablauf, die Chemo war am abklingen und an Weihnachten isst man halt auch mal etwas was man nicht unbedingt sollte.
Die Pumpe hatte deshalb nicht soooo optimal die Blutzuckerwerte korrigiert. Vor allem in der Anfangsphase brauchte sie ziemlich lange um aktuelle oder kommende hohe Werte abzufangen. Denn sie gibt ja nur so viel ab, das sie Dich im schlimmsten Fall nicht in nen Unterzucker drückt. D.h. so 4-5 IE, wo Du manuell 10 geben würdest. Jetzt nach den 6 Wochen ist sie etwas aggressiver. D.h. man muss aufpassen ob man nicht beim auslösen eines Bolus in Summe zu viel Insulin zu sich genommen hat. Aber das sind sicherlich die Anfängerfehler, die ich gerade mache.
Die Pumpe hat ja ein relativ kleiner Reservoir. D.h. 160 Einheiten. 10-15 braucht man beim Wechsel des Infustionssets zum Schlauch füllen. Sodass man theoretisch ca. 145 Einheiten zur Verfügung hat. Ich habe im Moment einen Bedarf von im Schnitt 40 IE pro Tag (Basel + Bolus -> Bei der Pumpenauswahl beachten: Beides zusammenrechnen). D.h. das Reservoir reicht mir für max. 3 Tage. Und das ist perfekt. Denn das Infustionsset muss muss man ja sowieso wechseln (Stahl: alle 2 Tage, Teflon max. 3 Tage).
Die Reservoire gibts ja vorgefüllt. Und es gibt die Variante mit Aufziehspritzen. Die Vorgefüllten sind aktuell wieder Mangelware sodass ich wahrscheinlich demnächst auf "Selbstabfüller" umsteigen muss. Auch kein Problem. Machen die anderen Pumpenverwender ebenfalls.
Bez. der Infusionssets: Da habe ich weder mit den Stahl noch mit den Teflon Kathetern hauttechnisch ein Problem. Weil ich im Moment noch nach der Chemo eine Neuropathie in den Fingern habe, sind die Stahlkatheter beim Wechseln einfacher. Und auch grundsätzlich "anwendungssicherer". Die Teflon Teile kommen in einem Plastik-Gehäuse welches man zum Setzen aufspannen muss. Also so ähnlich wie bei den CGM Sensoren. Da kann es schon mal sein das ein Sensor aus der Halterung zieht. wenn man die Klebe-Schutzfolie entfernt. Ausserdem ist das Abziehen des Schlauches (zum Duschen) für mich fast nicht möglich, da ich den kleinen Plastikclip zum zusammendrücken und rausziehen nicht richtig spüre - ein Gefummel. Das geht bei den Stahlkathetern wesentlich besser.
Also von der "Hardware" her bin dennoch sehr zufrieden aber es gibt ja noch die elenden "Soft-Faktoren" :-)
Die BLE (Bluetooth Low Energy) Verbindung war die ersten Tage (erste Batterie, die hält so 3 Wochen) perfekt. Keinerlei Abbrüche in der Wohnung (Handy liegt im zentral im Flur). Dann ging es los. Dauernde Unterbrüche. In etwas auf Niveau der CGM Sensoren. D.h. aktuell muss ich immer mein Max Pro iPhone Backstein überall hin mitschleppen. Mehr als 2m klappt es in der Wohnung aktuell nicht mehr. Hingegen: Ich habe ja vom G7 auf den FL3+ gewechselt. Der schnurrt perfekt. So gut wie keine Unterbrüche. Im Gegensatz zu meinem ersten FL Testsensor, denn der zickte. Bemerkung: Der CGM und die Pumpe verbinden sich mit den Handy. Sprich: Der CamAPS FX Software. Die Pumpe verbindet sich nicht mit dem Sensor.
Da ich alleine wohne, habe ich meine Family als Companien im CamAPS registriert. D.h. sie bekommen eine Meldung wenn ich z.B. in den Unterzucker falle. Und die ist nicht so der Hit. Denn wenn Du ein iPhone hast, dann sind die Benachrichtigungsfunktionen eingeschränkt. Und bei Android erwarten sie eine relativ neue Android Version die keiner meiner Leute hat, ausser eine Person. D.h. das ist nervig. Wir haben noch eine Whatsapp Gruppe wo ich mich melde wenn es einen Alarm gibt. Damit nicht jeder mich gleich anruft oder ähnlich. Das wäre z.B. ein super Feature welches unabhängig vom Betriebssystem wäre: Die Meldungen zu Whatsapp senden. Kann die Software aber nicht.
Ausserdem kann der FL3 ja nur eine Verbindung aufbauen. D.h. alternative Notifikations-Wege gehen nicht. Z.B. über die FL3 Mechanismen. Denn die Pumpe kapert die Verbindung und Abbott bekommt nix mit (keine Kopie in die Abbott/FL Cloud). Die Werte werden nur mit der myLife Cloud synchronisiert und deren Schnittstellen sind nicht öffentlich. Ok, man kann die Werte zu Glooko spiegeln. Es gibt aktuell für iPhone Benutzer keinen gangbaren Weg die Alarme und Werte aufs Handy zu bekommen. Ausserdem: Was bringt mir ein Glukosewert der über verschiedene Cloud-Dienste verteilt wird und wenn der Alarm kommt schon mind. 20-30 Min alt ist? Also die Benachrichtigungen, falls Du sie brauchst und iPhone Benutzer bist, sind eingeschränkt.
...bin gerade im Schreib-Wahn. Weiter gehts :-) haha
Beim G7 habe ich geschätzt, dass ich Alarme und Glukosewerte auf der iWatch anschauen kann. Weil sich der Sensor direkt mit der Uhr verbindet. Deshalb habe ich mir das Teil auch zugelegt. Gerade nachts (Vibrationsalarm am Handgelenk) oder im Büro oder wenn ich einfach mein Handy mal irgendwo liegen gelassen habe, hatte ich noch die Werte und Alarme auf der Uhr bekommen. Oder beim Sport: Da habe ich mein Handy nicht immer am Körper. Sondern z.B. beim Fahrradfahren in der Tasche.
Das geht jetzt nicht mehr. Zum einen wegen dem antiken Design des FL3: Der lässt ja nur eine Verbindung zu und es gibt keine Smartwatch-Software von Abbott. Die Android "Krücken" über die Cloud sind meiner Meinung nach für Notfälle nicht wirklich hilfreich: Stichwort: Verzögerung + man muss immer Online sein etc.. Das klappt natürlich prima in der Pampa oder im Ausland. (Urlaub, Arbeiten im Ausland, Fahrradtour durch den Wald etc.).
Zusammengefasst: Bez. smarter Integration sind CamAPS und Abbott mind. 10 Jahre hinterher. Und fragt man bei Abbott nach sind die dies bezüglich schon deutlich angenervt :-). Egal. Im Frühjahr kommt ja der G7 für die YpsoPump. Bzw. das "muss" kommen. Denn der G6 wird ja eingestellt. Da werde ich wieder auf den G7 wechseln.
Die CamAPS Software ist ok, aber auch etwas vom Konzept her sichtbar angestaubt (sage ich jetzt mal als Informatiker). Warum wird dort zwischen einem Mahlzeiteneingabe (KH eingeben ohne Insulinabgabe - soz. als Info für die Pumpe. Z.B. bei drohender Hypo) und einem Bolus-Rechner, bei dem immer Insulin abgegeben wird, unterschieden??? Das ist mir doch sowas von schnuppe! Wenn ich KH eingebe, dann soll die Pumpe entscheiden wieviel Insulin ich brauche, anhand der aktuellen Werte (Glukosewert, noch wirksames Insulin um Blut etc.). Die Software hat im Detail noch ein paar unlogische und nicht so benutzerfreundliche Eigenheiten. Wenn man sich kopfschüttelnd daran gewöhnt hat, dann klappt es jedoch prima. Auch das wird sich innerhalb der nächsten 12(?) Monate ändern. Anscheinend gib es eine neue Version, die gerade ihre EU Zulassung bekommen hat, bei der man keine KH mehr eingeben muss. Das wäre perfekt.
So, genug gejammert. Die positiven Dinge kann man ja überall auf Youtube und deren Produktseite sehen. Würde ich die Pumpe wieder nehmen? Ja, auf jeden Fall. Die hier erwähnten Eigenheiten haben anscheinend auch die anderen Pumpen. Das einzige was ich unterschätzt habe ich das ewige mitschleppen des SmartPhones. Das nervt. Aber ansonsten bin ich zufrieden.
...in diesem Sinn
Michael
EDIT:
HbA1c nach der OP/in der AHB: 7.0
HbA1c während der Chemo: 7.7
HbA1c jetzt mit 6 Wochen Pumpe: 7.1 (Einflussfaktoren: Auslaufen der Chemo, Weihnachten :-))
Zielbereich vor Pumpe mit G7 (Sept. - Dez): 63% (Dexcom Clarity - Während der Chemo)
Zielbereich mit Pumpe bis jetzt: (Dez - Jan): 66% (Diabetologe meinte gestern via Glooko Daten es seien 69% - Die myLife Cloud zeigt niedrigere Werte. Strange...)