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Pankreaskopfresektion Erfahrungsbericht!

Verfasst: 9. Juni 2011, 09:01
von sonnentanz
Hallo liebe Leute,


mein Freund hat eine dodenumerhaltende Pankreaskopfresektion gut überstanden. Da ich damals selbst gern ein paar Erfahrungsberichte gelesen hätte, erzähle ich hier kurz unsere Geschichte.

Mein Freund ist 43 Jahre alt, vor 2 Jahren wurde nach mehreren aktuen Pankreatitis aufgrund von Alkohol die Diagnose chronische Pankreatitis gestellt. Er hat ansich nie wahnsinnig viel getrunken, war aber eine zeitlang jeden Abend gut dabei. Da er trotz des Wissens über seine geschädigte BSD weiter getrunken hat, würde ich ihn schon als Alkoholiker bezeichnen. Mit der Diagnose zur chronischen Pankreatitis schaffte er es aber, komplett aufzuhören. Er hoffte dann, dass die akuten Schübe ausbleiben würden und sich alles soweit beruhigen würde, so dass er damit gut leben könnte.

War aber nicht so, er hatte trotz gesunder Ernährung und Alkoholkarenz immer wieder äußerst schmerzhafte Schübe in immer kürzeren Abständen. Hinzu kam oft Erbrechen, einfach so und Abgeschlagenheit bzw. ein dauerhaft ungutes Gefühl im Bauch. Nach mehreren CT`s usw. stellte man uns die Diagnose Pankreaskopftumor! Der Schreck war riesig, bis wir 2 Wochen später mit Eingehen der Ergebnisse der Gewebsprobe darüber informiert wurden, dass der Pankreaskopf durch die dauernden Entzündungen vergrößert wäre und man diese Tatsache pauschal als Tumor bezeichnen würde (da das Gewebe einfach krankhaft verändert sei). Also kein Tumor in dem Sinne, dafür aber durch die Entzündungen stark aufgetriebener und entzündlich veränderter Kopf, welcher die Abflußwege der BSDsekrete störte und drohte, die Gallenwege abzuklemmen. Außerdem sorgte er für Magenentleerungsstörungen, deshalb das Erbrechen. Weiterhin waren auf dem CT Kalkablagerungen auf der BSP sichtbar.

Der Arzt meinte, dass sich die Situation nur noch mit einer OP verbessern ließe, in welcher der entzündliche Teil des Kopfes entfernt werden würde = dodenumerhaltende Pankreaskopfresektion. Der Dünndarm und alle anliegenden Organen werden nach Möglichkeit erhalten, nur der Pankreaskopf wird rausgeschält und die Verbindung mit einer Dünndarmschlinge neu gesetzt. Nach konkreter Aufklärung über den Eingriff, entschied sich mein Freund letztlich dafür. Die OP selbst dauerte ca. 5 Stunden, ich durfte ihn am selben Abend schon besuchen. Er lag auf der Intensivstation und war noch nicht wirklich ansprechbar, allerdings war wohl die OP gut verlaufen und sein Zustand ok. Am Tag danach war er dann ansprechbar, lag aber noch im Bett, wir erkundeten vorsichtig seinen Körper. Er hatte einen Schlauch für Ableitung des BSPSekretes, einen für Ableitung des Wundwassers, einen Rückenmarkskatheder für Schmerztherapie, einen Katheder in die Halsschagader für ev. Narkose, einen Tropf im Körper, soweit eine Klammer am Finger für das Messen der Blutsättigung usw. Hinzu einen Schnitt quer über den oberen Bauch und einen kleineren im unteren Bauch. Das alles in allem sah recht beängstigend aus, allerdings durfte er an dem Tag schon Tee und Wasser trinken.

Nach einem weiteren Tagen wurde er auf die Wachstation der Intensivstation verlegt, durfte da bereits wieder sitzen und einen weiteren Tag später aufstehen. Am 3. Tag gab das erste Mal was zu essen, erst Zwieback, dann recht schnell Brot mit Butter, Kartoffelmus usw. Am 4. Tag nach der OP wurde er auf die normale Station verlegt, durfte rumlaufen und schon wieder in Maßen essen, worauf der Lust hatte, was er auch alles gut vertragen hat. Die Schläuche wurden Tag für Tag weniger, nach insgesamt 10 Tagen wurde er aus dem KKH entlassen. Das ist jetzt 4 Monate her. Kur hat er keine gemacht, weil er nicht wollte, allerdings wurde sie ihm im KKH nahegelegt. Anfänglich war er natürlich recht schwach, nach 1-2 Monaten wurde das langsam wieder und mittlerweile geht es ihm besser. Am Schlimmsten war wohl der Bauchschnitt, welcher anfänglich jede Bewegung schwer gemacht hat. Heute ist die Narbe immernoch taub und irgendwie etwas hervor gewölbt.

Er hat ca. 5 kg Gewicht verloren, allerdings war er schon immer ziemlich dürr und setzt auch schlecht an. Die 5 kg hat er bis heute nicht wieder drauf, allerdings wirds auch nicht mehr weniger. Essen kann er wieder was er will, vieles geht auch ohne Kreon. Wenn er sehr viel ohne Kreon gegessen hat, bekommt er manchmal recht heftige Blähungen, die wohl vor allem weh tun. Wenn er Kreon ( 2 x 25.000 Kreon zum Essen) nimmt gehts gut. Alkohol ist tabu. Zuckerwerte sind völlig normal. Ansonsten hat er so gut wie keine Schmerzen mehr, musste sich seitdem nicht mehr Übergeben und ist auch so recht fit. Kürzlich war er zur Nachkontrolle und man stellte fest, dass er recht schlechte Leberwerte aufgrund von entzündeten Gallenweg hatte, was aber kein großer Grund zur Sorge sei, da das nach so einer OP vorkommen kann, dass die noch etwas gereizt sind. Seitdem bekommt er für eine Weile Tabletten, die die Entzündung dauerhaft beruhigen sollen.

Insgesamt gehts ihm im Moment also um einiges besser als vorher. Wenn das so bleibt, können wir diese OP nur empfehlen! Sie hat ihm ein großes Stück Lebensqualität wieder gebeben und die OP war zwar krass aber ist zu überstehen. Lieber ein Ende mit Schrecken..... :-) Wenn Fragen sind, beantworten wir die gern. Die OP wurde in Erfurt (Thüringen) durchgeführt.

Liebe Grüße!
Susanne + Jo
sonnentanz (at) gmx.de

Re: Pankreaskopfresektion Erfahrungsbericht!

Verfasst: 10. Juni 2011, 23:25
von michel
deinem Erfahrungsbericht kann ich bezüglich der OP und der Zeit danach nur zustimmen. So ähnlich ist es mir ergangen.
Schade nur, dass auf die AHB verzichtet wurde. Ich habe in der REHA in Wuppertal noch viel positives mitbekommen, insbesondere auch zur Ernährung und zum Kreon.
Die Ernährungsberatung machte Herman Mestrom, von dem es auch ein Büchlein "Essen und Trinken nach Magenentfernung" (ISBN 978-3-930896-04-2) gibt.
Gruß, alles Gute und Gesundheit
Michl
:zw:

Re: Pankreaskopfresektion Erfahrungsbericht!

Verfasst: 30. Juni 2011, 22:35
von clueless
Herzlichen Dank für den Bericht - uns droht diese OP vielleicht auch und der Bericht hat mir viel Angst genommen !