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Was kommt da auf mich zu?

Verfasst: 2. Juli 2026, 16:24
von AufZuNeuenUfern
Hallo erstmal!
Ich habe meine Pankreatetomie in 7 Tagen vor mir.
Ist schon komisch das ich hier schreibe da ich gelernte Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege bin, und seit 33 Jahren in diesem Bereich arbeite.
Ich habe bisher in der Anästhesie gearbeitet und viele Patienten mit Pankreasteilresektion oder Whippel-Op's betreut. Das "nur" der Pankreas entfernt wird habe ich bisher noch nicht erlebt und das obwohl ich nur in Universitätskliniken gearbeitet habe.
Bei mir ist die Ursache kein Karzinom sondern nur eine totale "Verkalkung"..
Im Nachhinein wurde es wohl einfach übersehen da ich seit ca. 15 Jahren immer GI Beschwerden hatte und ich eine Gastro-/Coloskopie nach der anderen hatte und die Beschwerden immer auf Stress im Beruf, Schichtdienst, Kaffee, Nikotin geschoben wurde, und ich erst in 2 Monaten 50 werde.
Jetzt ist es wie es ist.
Nun habe ich natürlich bei Dr. GOOGLE mal etwas gestöbert und (obwohl ich ein "es könnte schlimmer kommen" Mensch bin) bekomme doch ein leicht flaues Gefühl im Magen.
Ist der Diabetes wirklich so schwer einzustellen und kann ich danach wieder in meinem Beruf arbeiten (Schichten bis zu 24std und Wechselschichten)?
Auch das Thema Essen ist für mich ein großes Problem. Ich esse sehr unregelmäßig teilweise 24Std.gar nicht da ich eh schon wenig Hunger habe. Ich weiß was jetzt viele Leser denken. Ist die doof kommt vom Fach und stellt solche dummen Fragen.
Es wäre nett wenn mir jemand sagen könnte wie es sich nach einer reinen Pankreatektomie lebt und wie sein Leben ohne ist
Liebe Dank im voraus

Re: Was kommt da auf mich zu?

Verfasst: 2. Juli 2026, 17:35
von Kerstin2015
Hallo ,herzlich willkommen,
Ich hatte eine klassische Whipple op mit 45 Jahren,also kein Diabetes 3 c.
Eine Nutzerin dieses Forums Jana kennt sich damit gut aus .Wenn Du in der Forums Übersicht die "Lupe" antippst kannst Du Suchbegriffe eingeben...probiere es mal mit...
Diabetes nach Whipple Op....oder...Erfahrungen nach Bauchspeicheldrüsen Entfernung
Wenn du dann in den Beiträgen die Namen anklickst ,kommst Du schnell zu Beiträgen die Dich interessieren könnten.
Vielleicht eine Möglichkeit sich schon mal einzulesen,bevor hier welche Antworten ...
Ich bin jetzt, nach 11 Jahren nach op , in voller Erwerbsunfähigkeitsrente, habe es lange probiert mit arbeiten gehen ,aber ich konnte zum Schluss nicht mehr so zuverlässig sein ,wie der Job und ich es brauchte.
In Bad Driburg gibt es die Rosenberg Reha Klinik ,wo die sich mit Verdauung und Typ 3c wohl auskennen sollen...
Liebe Grüße Kerstin

Re: Was kommt da auf mich zu?

Verfasst: 3. Juli 2026, 12:24
von sprotte
Hallo und herzlich willkommen,
ich hatte in 2019 meine OP mit Entfernung von Kopf und Corpus, Zwölffingerdarm und Gallenblase, Magen konnte erhalten bleiben. Kein Carcinom sondern nekrotisierende chronische Pankreatitis mit wiederholten KH- und Notaufnahmenaufenthalten. Komme auch aus einem med. Bereich, habe mich aber (Gott sei Dank) nicht vorher bei Dr. Google schlau gemacht. OP leider mit Komplikationen (kannst du bei mir nachlesen), danach AHB mit Ernährungs- und Diabetesberatung. Ja, die OP war kein Spaziergang, aber machbar. Wichtig ist m.E. die Schmerzmittelgabe während des KH-Aufenthaltes und Geduld!
Mittlerweile benötige ich keine Enzyme mehr, kann (fast) alles essen, habe wieder gearbeitet ohne Probleme bis zur Rente. Der Typ 3c ist schon schwieriger einzustellen, da ja der Gegenspieler zum Insulin (Glucagon) fehlt, muss man sich mit einem guten Diabetologen rantasten, die Sensoren erleichtern ungemein. Seit einer Ernährungsumstellung weg von vielen Kohlenhydraten zu einer eiweissreichen Ernährung und Sport war bei mir sehr hilfreich. Im Sommer muss man z.B. aufpassen, da die Hitze den Blutzucker stark beeinflusst.
Im Auge behalten solltest du bzw. dein Arzt Leber- und Cholestasewerte, durch den Umbau der Gallenwege können Probleme auftreten, seitdem mein Arzt mir Ursofalk verordnet hat, sind die Werte wieder fast im grünen Bereich.
Ich wünsche dir alles Gute für die OP, liebe Grüße

Re: Was kommt da auf mich zu?

Verfasst: 3. Juli 2026, 15:21
von AufZuNeuenUfern
Vielen lieben Dank für eure Tips und Ratschläge!
Habe ja noch 4Tage um mich seelisch und moralisch auf das ganze vorzubereiten 🙄
Bestimmt werde ich hier noch öfters nach Rat suchen!
Danke im voraus

Re: Was kommt da auf mich zu?

Verfasst: 3. Juli 2026, 19:11
von Jana
Hallo,

ich habe keine OP, aber einen pankreopriven Diabetes aufgrund einer Autoimmunpankreatits (AIP Typ2).

Ja, der BZ schwankt schon ziemlich. Wichtig ist, das deutlich erhöhte Hypo-Risiko.

Was ich definitiv bei Typ3c Diabetes extrem wichtig finde, ist ein gutes CGM. Hier empfiehlt sich der Dexcom G7. Man kann einen Sensor vorab kostenlos testen. Es gibt noch den billigeren Freestyle Libre. Dieser hat deutlich schlechtere Hypo-Alarme (nur 1 Alarm, Dexcom 3 verschiedene Hypoalarme). Besser den Hypo-Alarm dann auch nicht zu niedrig stellen. Meiner geht bei 85mg/dl los. Am Anfang wäre auch 100mg/dl definitiv ein sinnvoller Einstieg.

Zudem wäre noch Baqsimi sehr hilfreich. Das ist ein Glukagon Nasenspray, wenn man sehr stark unterzuckert ist. Normalerweise ist es dazu gedacht, wenn man bereits ohnmächtig ist, dass es ein Angehöriger verabreicht. Bei sehr heftigen Hypos mit drohender Bewusstlosigkeit könnte man es aber auch im Notfall noch selbst verabreichen.

Gut sind schon mal Hyposnacks anzuschaffen. Am besten sind Dextro Energy (nicht den Schulstoff) da hat ein Plättchen 5gr KH. Frucht-Quetchis 10gr KH. Gummibärchen mini Päckchen 2Päckchen 15gr KH und 0,2L Tetrapak Saft (es gibt auch spezielle milde Säfte von hohes C oder Albi) da hat jedes Tetrapak 20gr KH.

Was auch noch sehr hilfreich ist, alle üblichen Küchenbehältnisse Teller, Töpfe, Nudelsieb, ... als Leergewicht wiegen. Und notieren. Das hilft gut, wenn du später die gekochten Gerichte wiegen möchtest, wie viel deine Portion Kohlenhydrate hat.

Als App kann ich dir Fddb empfehlen. Da hast du auch die Fettangaben dazu. Es gibt aber auch noch spezielle Diabetesapps wie Wetid. Oder explizit für Patienten nach Pankreasops die PDF Datei Fett-for-Life. https://cdn.kreon.de/-/media/project/common/kreonde/pdf/kreon-pdf-fett-for-life.pdf%3Frev%3D-1%26hash%3D8AF0C27B1D5881B59E4A911310ABCE1D&ved=2ahUKEwiv4LPj_7aVAxUlVvEDHWnlCtoQFnoECCIQAQ&usg=AOvVaw0iZCWCDCH4V-4e6DZcOPTI

Ansonsten ist es wichtig, dass du eine gute Schulung bekommst, von einem Arzt, der sich mit pankreopriven Diabetes auskennt! Es gibt doch ein paar Besonderheiten im Vergleich zum Typ1. Hier wäre auch wichtig, dass du auf die Berechnung deiner KH bestehst. Oft machen es sich die Ärzte einfach. Man bekommt eine Tabelle, bspw. BZ 160 1IE Insulin, BZ 200 2 IE, 240 3IE. Egal ob du viel oder wenig isst. Das ganze funktioniert aber im Alltag nicht! Du musst berechnen wie viel KH und Fett du isst. Für die KH entsprechend Insulin, für das Fett passend Kreon (1gr Fett=2.000 IE Kreon).

Neben der Standardschulung für Typ1 namens Primas, kann ich dir zusätzlich noch die Unterzuckerungsschulung Hypos sehr empfehlen. Insb. da Patienten mit Typ3c Diabetes ein viel höheres Hypo-Risiko haben.

Falls du noch irgendwelche speziellen Fragen hast, gerne melden. Ich bin aber nur noch selten hier, habe die Frage zufällig gesehen.